Stunde der Orgel am 24. Oktober 2026

Das 125. Todesjahr des in Liechtenstein geborenen und in München wirkenden Josef Gabriel Rheinberger bildet den thematischen Schwerpunkt des heutigen Orgelprogramms mit Konzertorganist Thorsten A. Pech. Dieser befasst sich seit mehr als 45 Jahren mit dem Schaffen des Reger- und Wagner-Zeitgenossen und hat dabei nicht nur das gesamte Orgelwerk mit 20 Sonaten, freien Orgelstücken und Orgelkonzerten zur Aufführung gebracht, sondern darüber hinaus auch zahlreiche Chorwerke, ob a cappella oder in großer Orchesterbesetzung mit seinen Chor-Ensembles erarbeitet und dirigiert.

Musik Rheinbergers sowie die seiner Lehrer und einzelnen seiner fast 600 Schüler werden heute in einem musikalischen Gesamtkonzept erklingen. Neben freien Orgelwerken steht eine seiner großen Orgelsonaten aus dem frühen Schaffen auf dem Programm. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass Rheinberger nur ein einziges choralgebundenes Werk für die Orgel mit der Melodie „O Haupt voll Blut und Wunden“ komponiert (Monologe op. 162/6) hat.  Dennoch fühlt man sich im 1. Satz der Fantasie-Sonate Nr. 2 an das Lied „ Jesus, meine Zuversicht“ erinnert.                                                            

Zur Orgel als Kulturerbe:

Die „Königin der Instrumente“ nannte Mozart einst die Orgel. Sie ist, so empfand er es 1777 in einem Brief an seinen Vater, das „Größte, tiefste, lauteste, aber auch leiseste und wohl vielfältigste Musikinstrument“.  Seit 2017 sind Orgelmusik und Orgelbau durch die UNESCO als „Immaterielles Kulturerbe“ anerkannt.

Der Mechaniker Ktesibios (285 – 222 v. Chr.) aus Alexandria kann als Erfinder der Orgel angesehen werden. Er entwickelte ein Instrument, das erklang, wenn ein gleichmäßiger Winddruck durch Metallpfeifen geleitet wurde. Ktesibios nannte sein Instrument „organon hydraulikon“ („Wasserpfeife“), weil der benötigte Winddruck durch Wasser erzeugt wurde. Diese Orgeln wurden u. a. bei Theateraufführungen eingesetzt, in Griechenland und später auch im römischen Reich.

Da im Mittelalter die Entwicklung und Weitergabe von Wissenschaft und Kunstfertigkeit vielfach in den Händen von Mönchen lag, fand die Orgel als ursprünglich weltliches Instrument schnell ihren Weg in die Kirche. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts war die Orgel in ganz Europa als Kircheninstrument eingeführt.

In der Barockzeit erlebten Orgelbau und Orgelmusik ihre größte Blüte. Wie eine Orgel genau klingt, unterscheidet sich in Deutschland und in Europa je nach Region. „Die Orgelbauer haben Klänge produziert, deren Klangfarben nichts anderes als konservierte „Dialekte“ sind, insbesondere Vokalfarben – der Stimme nachempfunden“, so der Orgelsachverständige Michael Kaufmann. „Diese dialektalen Formen im Orgelklang machen unsere Orgellandschaften so facettenreich wie nirgends sonst auf der Welt.“

Die Barockzeit war die Blütezeit des Orgelbaus und des Orgelspiels. Aus dem 17. und 18. Jahrhundert stammen die prächtigen Orgeln aus den Werkstätten von berühmten Orgelbauerfamilien wie SCHNITGER im Norden, G. SILBERMANN im Osten oder GABLER und RIEPP im Süden Deutschlands, A.SILBERMANN im Elsass sowie Fr. CLICQUOT und THIERRY in Frankreich. Fachkundige Hörer erkennen zwar am Klang der Orgel, aus welcher Werkstatt sie stammt, jedoch haben alle Instrumente ihren individuellen Klangcharakter: Keine Orgel klingt wie die andere. Die Werke der barocken Orgel, die auch optisch gut zu erkennen sind, stellen im Grunde kleine selbstständige Orgeln mit jeweils klanglicher Spezifierung dar: Grundtönig-kräftige Stimmen im Hauptwerk,  scharfe Klangmischungen oder auch farbige Solostimmen im Rückpositiv; an hochliegenden, spitzen Klangfarben erkennt man das Brustwerk; das Pedal liefert den Bass und die harmonische Grundlage der Musik. Diese klangliche Aufteilung findet sich auch in den Orgelkompositionen der Barockzeit wieder. Einen starken Stilumbruch verzeichneten Orgelbau und Orgelmusik im 19. Jahrhundert. Als klangliches Vorbild wurde jetzt das große Sinfonieorchester der Romantik angestrebt. Ein grundtöniger, voluminöser oder auch schwebender Klang trat an die Stelle der klaren, hellen Registerfarben der Barockzeit. Mischklänge lösten die klaren Registergruppen der Barockzeit ab, und technische Entwicklungen im Orgelbau wie Schweller, Crescendowalze u.a. erlaubten fließende dynamische Übergänge. Die bedeutendsten Vertreter dieser Zeit waren in Deutschland u.a. LADEGAST, W. SAUER, WALCKER und in Frankreich CAVAILLE-COLl. Heute bemüht man sich um stilistische Vielseitigkeit, d.h. um den Bau von Orgeln, die das stilgerechte Spiel von Musikstücken aus mehreren Epochen ermöglichen.

„Orgel spielen heißt, einen mit dem Schauen der Ewigkeit erfüllten Willen offenbaren!“
Charles-Marie Widor; französischer Organist und Komponist

Orgeln sind Wunderbauten, Tempel, von Gottes Hauch beseelt.  Johann Gottfried von Herder

Und zum Orgel- und Kompositionsschaffen von Johann Sebastian Bach ist der Ausspruch von Ludwig van Beethoven überliefert:

Nicht BACH, MEER sollte er heißen….