L´Orgue Mustel
Seit der Erfindung und Einführung des Harmoniums 1842 in die Musikwelt hat sich der Instrumentenbau rasant entwickelt, und mit ihm die Musik. Musiksäle entstehen, die Orchester werden größer und die Instrumente lauter, die Orgeln werden symphonischer. Es ist die Zeit der Virtuosen-Wettstreite und genialischer Komponisten.
Das expressive Harmonium wird zu einem ausgefeilten Virtuosen-Instrument mit vielen weiteren Klangfarben und -Lagen, geteilter Winddruck-Steuerung der beiden Klaviaturhälften und einer zusätzlichen Hammermechanik, die auch virtuose pianistische Spielweise unabhängig von der Lautstärke ermöglicht. Vom Winddruck mitgesteuerte Forte-Klappen erlauben noch größere Lautstärkeunterschiede und -veränderungen während des Spiels.
So wird es möglich, jeden Klang in jeder beliebigen Lautstärke in der anderen Klaviaturhälfte mit jedem anderen Klang in ebenfalls beliebiger Lautstärke zu begleiten und die Lautstärke beider Klaviaturhälften jederzeit getrennt voneinander zu steuern. Damit wird das „Kunstharmonium“ im Kammermusik-Betrieb vollends zum bevorzugten Orgel-Instrument, das auch virtuosen Ansprüchen genügt und klanglich äußerst anpassungsfähig ist.
Es ist Victor Mustel, der dieses Instrument 1853 entwickelt hatte und längere Zeit fast als einziger in Kleinserien herstellte. Daher bürgerte sich der Begriff „Orgue Mustel“ ein, wenn ein solches Kunstharmonium gemeint war, und viele namhafte Komponisten schrieben fortan Musik für genau dieses Instrument.
Ein solches Mustel-Harmonium kostete damals etwa doppelt so viel wie ein großer Konzertflügel.
Heute hören Sie das Instrument Nr.140 von Victor Mustel, hergestellt im Jahr 1869 in Paris; es ist konzertfähig restauriert und gehört zur Harmonium-Instrumente-Sammlung von Simon Buser www.buser.org.

