Konzert am 3. November 2018

Urlicht

O Röschen rot,
Der Mensch liegt in größter Not,
Der Mensch liegt in größter Pein,
Je lieber möcht‘ ich im Himmel sein.
Da kam ich auf einem breiten Weg,
Da kam ein Engelein und wollt‘ mich abweisen.
Ach nein, ich ließ mich nicht abweisen!
Ich bin von Gott und will wieder zu Gott,
Der liebe Gott wird mir ein Lichtchen geben,
Wird leuchten mir bis in das ewig selig‘ Leben.
(aus: „Des Knaben Wunderhorn“)

Ich bin der Welt abhanden gekommen

Mit der ich sonst viele Zeit verdorben,
Sie hat so lange nichts von mir vernommen,
Sie mag wohl glauben, ich sei gestorben!

Es ist mir auch gar nichts daran gelegen,
Ob sie mich für gestorben hält,
Ich kann auch gar nichts sagen dagegen,
Denn wirklich bin ich gestorben der Welt.

Ich bin gestorben dem Weltgetümmel,
Und ruh‘ in einem stillen Gebiet!
Ich leb‘ allein in meinem Himmel,
In meinem Lieben, in meinem Lied!
(Friedrich Rückert)

Es sungen drei Engel ein süßen Gesang
dass in dem hohen Himmel erklang
Sie sungen sie sungen Alles so wohl
den lieben Gott wir loben solln
Wir heben an wir loben Gott
wir rufen ihn an, es tut uns not
Er speis uns mit dem Himmelbrot
das Gott seinen zwölf Jüngern bot
Wohl über dem Tisch da Jesus saß
da er mit ihnen das Abendmahl aß
Judas der stund sich nah darbei
er wollt des Herren Verräter sein
Er verriet den Herrn bis in den Tod
dadurch der Herr das Leben verlor
Wohl an dem Kreuze da er stund
da er vergoss sein rosenfarbs Blut
Herr Jesu Christ wir suchen dich
am heiligen Kreuz da finden wir dich
Da stund der Herr ganz nacket und bloß
dass ihm das Blut sein Seiten ein floß
Die Seiten ward von Blut so rot
Maria Kind leidt große Not
Maria Gotts Mutter reine Magd
all unser Not sei dir geklagt
All unser Not und unser Pein
das wandel uns Maria Kindelein
Das wandel uns deins Kindes Zorn
daß unsre Seeln nicht werden verlorn
Gott behüt uns für der Höllen Pein
dass wir arme Sünder nicht kommen hinein
(Text und Musik: in: Alte Catholische Geistliche Kirchengesäng , Paderborn , 1609 ( Paderborner Gesangbuch ) – mit der Ueberschrift : Ein ander alt Gesang , auch in: Geistlicher Paradiesvogel (1663))

Um Mitternacht

Hab‘ ich gewacht
Und aufgeblickt zum Himmel;
Kein Stern vom Sterngewimmel
Hat mir gelacht
Um Mitternacht.
Um Mitternacht
Hab‘ ich gedacht
Hinaus in dunkle Schranken.
Es hat kein Lichtgedanken
Mir Trost gebracht
Um Mitternacht.
Um Mitternacht
Nahm ich in acht
Die Schlaege meines Herzens;
Ein einz’ger Puls des Schmerzes
War angefacht
Um Mitternacht.
Um Mitternacht
Kaempft‘ ich die Schlacht,
O Menschheit, deiner Leiden;
Nicht konnt‘ ich sie entscheiden
Mit meiner Macht
Um Mitternacht.
Um Mitternacht
Hab‘ ich die Macht
In deine Hand gegeben!
Herr! Ueber Tod und Leben
Du haelst die Wacht
Um Mitternacht!
(Friedrich Rückert)

Kaddisch

(dt. Übersetzung)
Erhoben und geheiligt werde sein großer Name auf der Welt, die nach seinem Willen von Ihm erschaffen wurde- sein Reich soll in eurem Leben in den eurigen Tagen und im Leben des ganzen Hauses Israel schnell und in nächster Zeit erstehen. Und wir sprechen: Amen! Sein großer Name sei gepriesen in Ewigkeit und Ewigkeit der Ewigkeiten. Gepriesen sei und gerühmt, verherrlicht, erhoben, erhöht, gefeiert, hocherhoben und gepriesen sei Name des Heiligen, gelobt sei er, hoch über jedem Lob und Gesang, Verherrlichung und Trostverheißung, die je in der Welt gesprochen wurde, sprechet Amen! Fülle des Friedens und Leben möge vom Himmel herab uns und ganz Israel zuteil werden, sprechet Amen. Der Frieden stiftet in seinen Himmelshöhen, stifte Frieden unter uns und ganz Israel, sprechet Amen.

L’enigme eternelle

Frägt die Velt die alte Kashe, Tra la la la … Entfernt men, Tra la la la …
Un as men will kenne sagen, Tra la la la … Frägt die Velt die alte Kashe, Tra la la la …
(jiddisch)

Konzert am 29. Oktober 2016

Wenn mein Stündlein vorhanden ist

Nikolaus Herman 1562

  1. Wenn mein Stündlein vorhanden ist
    Und soll hinfahr’n mein‘ Straße,
    So g’leit‘ du mich, Herr Jesu Christ,
    Mit Hilf‘ mich nicht verlaße!
    Mein‘ Seel‘ an meinem letzten End‘
    Befehl‘ ich dir in deine Händ‘,
    Du woll’st sie mir bewahren!
  2. Mein‘ Sünd‘ mich werden kränken sehr,
    Mein G’wissen wird mich nagen,
    Denn ihr’r sind viel wie Sand am Meer;
    Doch will ich nicht verzagen.
    Gedenken will ich an dein’n Tod,
    Herr Jesu, und dein‘ Wunden rot,
    Die werden mich erhalten.
  3. Ich bin ein Glied an deinem Leib,
    Des tröst‘ ich mich von Herzen.
    Von dir ich ungeschieden bleib‘
    In Todesnot und Schmerzen.
    Wenn ich gleich sterb‘, so sterb‘ ich dir,
    Ein ew’ges Leben hast du mir
    Mit deinem Tod erworben.
  4. Weil du vom Tod erstanden bist,
    Werd‘ ich im Grab nicht bleiben;
    Mein höchster Trost dein‘ Auffahrt ist,
    Todsfurcht kann sie vertreiben;
    Denn wo du bist, da komm‘ ich hin,
    Daß ich stets bei dir leb‘ und bin,
    Drum fahr‘ ich hin mit Freuden.