Konzert am 26. 9. 2020

An die ferne Geliebte
Alois Jeitteles (1794-1858)

1. Auf dem Hügel sitz ich spähend
In das blaue Nebelland,
Nach den fernen Triften sehend,
Wo ich dich, Geliebte, fand.

Weit bin ich von dir geschieden,
Trennend liegen Berg und Tal
Zwischen uns und unserm Frieden,
Unserm Glück und unsrer Qual.

Ach, den Blick kannst du nicht sehen,
Der zu dir so glühend eilt,
Und die Seufzer, sie verwehen
In dem Raume, der uns teilt.

Will denn nichts mehr zu dir dringen,
Nichts der Liebe Bote sein?
Singen will ich, Lieder singen,
Die dir klagen meine Pein!

Denn vor Liedesklang entweichet
Jeder Raum und jede Zeit,
Und ein liebend Herz erreichet
Was ein liebend Herz geweiht!

2. Wo die Berge so blau
Aus dem nebligen Grau
Schauen herein,
Wo die Sonne verglüht,
Wo die Wolke umzieht,
Möchte ich sein!

Dort im ruhigen Tal
Schweigen Schmerzen und Qual
Wo im Gestein
Still die Primel dort sinnt,
Weht so leise der Wind,
Möchte ich sein!

Hin zum sinnigen Wald
Drängt mich Liebesgewalt,
Innere Pein

Ach, mich zög’s nicht von hier,
Könnt ich, Traute, bei dir
Ewiglich sein!

3. Leichte Segler in den Höhen,
Und du, Bächlein klein und schmal,
Könnt mein Liebchen ihr erspähen,
Grüßt sie mir viel tausendmal.

Seht ihr, Wolken, sie dann gehen
Sinnend in dem stillen Tal,
Laßt mein Bild vor ihr entstehen
In dem luft’gen Himmelssaal.

Wird sie an den Büschen stehen
Die nun herbstlich falb und kahl.
Klagt ihr, wie mir ist geschehen,
Klagt ihr, Vöglein, meine Qual.

Stille Weste, bringt im Wehen
Hin zu meiner Herzenswahl
Meine Seufzer, die vergehen
Wie der Sonne letzter Strahl.

Flüstr‘ ihr zu mein Liebesflehen,
Laß sie, Bächlein klein und schmal,
Treu in deinen Wogen sehen
Meine Tränen ohne Zahl!

4. Diese Wolken in den Höhen,
Dieser Vöglein muntrer Zug,
Werden dich, o Huldin, sehen.
Nehmt mich mit im leichten Flug!

Diese Weste werden spielen
Scherzend dir um Wang‘ und Brust,
In den seidnen Locken wühlen.
Teilt ich mit euch diese Lust!

Hin zu dir von jenen Hügeln
Emsig dieses Bächlein eilt.
Wird ihr Bild sich in dir spiegeln,
Fließ zurück dann unverweilt!

5. Es kehret der Maien, es blühet die Au,
Die Lüfte, sie wehen so milde, so lau,
Geschwätzig die Bäche nun rinnen.

Die Schwalbe, die kehret zum wirtlichen Dach,
Sie baut sich so emsig ihr bräutlich Gemach,
Die Liebe soll wohnen da drinnen.

Sie bringt sich geschäftig von kreuz und von quer
Manch weicheres Stück zu dem Brautbett hierher,
Manch wärmendes Stück für die Kleinen.

Nun wohnen die Gatten beisammen so treu,
Was Winter geschieden, verband nun der Mai,
Was liebet, das weiß er zu einen.

Es kehret der Maien, es blühet die Au.
Die Lüfte, sie wehen so milde, so lau.
Nur ich kann nicht ziehen von hinnen.

Wenn alles, was liebet, der Frühling vereint,
Nur unserer Liebe kein Frühling erscheint,
Und Tränen sind all ihr Gewinnen.

6. Nimm sie hin denn, diese Lieder,
Die ich dir, Geliebte, sang,
Singe sie dann abends wieder
Zu der Laute süßem Klang.

Wenn das Dämmrungsrot dann zieht
Nach dem stillen blauen See,
Und sein letzter Strahl verglühet
Hinter jener Bergeshöh;

Und du singst, was ich gesungen,
Was mir aus der vollen Brust
Ohne Kunstgepräng‘ erklungen,
Nur der Sehnsucht sich bewußt:

Dann vor diesen Liedern weichet
Was geschieden uns so weit,
Und ein liebend Herz erreichet
Was ein liebend Herz geweiht.

Adelaide
Friedrich von Matthisson (1761–1831)

Einsam wandelt dein Freund im Frühlingsgarten,
Mild vom lieblichen Zauberlicht umflossen,
Das durch wankende Blütenzweige zittert, Adelaide!

In der spiegelnden Flut, im Schnee der Alpen,
In des sinkenden Tages Goldgewölke,
Im Gefilde der Sterne strahlt dein Bildnis, Adelaide!

Abendlüftchen im zarten Laube flüstern,
Silberglöckchen des Mais im Grase säuseln,
Wellen rauschen und Nachtigallen flöten, Adelaide!

Einst, o Wunder! entblüht auf meinem Grabe,
Eine Blume der Asche meines Herzens.
Deutlich schimmert auf jedem Purpurblättchen: Adelaide!

Again my lyre, yet once again!
Anonymous

Again my lyre, yet once again!
With tears I wake thy thrilling strain
O sounds to sacred sorrow dear,
I weep, but could for ever hear!
Ah! cease! nor more past scenes recall,
Ye plaintive notes! thou dying fall!
For lost, beneath thy lov’d control,
Sweet Lyre! is my dissolving soul.

Noch einmal wecken Tränen bang,
O Lyra, deiner Saiten Klang!
Akkorde, heil’gem Schmerz geweiht,
Auch trauernd hört euch gern mein Leid!
Doch schweig! In eurem Klageschall
Tönt meiner Vorzeit Sterbefall!
Und eurer Wechsel Wonn‘ und Weh
Erliegt die Seel‘, und ich vergeh!

Konzert am 3. November 2018

Urlicht

O Röschen rot,
Der Mensch liegt in größter Not,
Der Mensch liegt in größter Pein,
Je lieber möcht‘ ich im Himmel sein.
Da kam ich auf einem breiten Weg,
Da kam ein Engelein und wollt‘ mich abweisen.
Ach nein, ich ließ mich nicht abweisen!
Ich bin von Gott und will wieder zu Gott,
Der liebe Gott wird mir ein Lichtchen geben,
Wird leuchten mir bis in das ewig selig‘ Leben.
(aus: „Des Knaben Wunderhorn“)

Ich bin der Welt abhanden gekommen

Mit der ich sonst viele Zeit verdorben,
Sie hat so lange nichts von mir vernommen,
Sie mag wohl glauben, ich sei gestorben!

Es ist mir auch gar nichts daran gelegen,
Ob sie mich für gestorben hält,
Ich kann auch gar nichts sagen dagegen,
Denn wirklich bin ich gestorben der Welt.

Ich bin gestorben dem Weltgetümmel,
Und ruh‘ in einem stillen Gebiet!
Ich leb‘ allein in meinem Himmel,
In meinem Lieben, in meinem Lied!
(Friedrich Rückert)

Es sungen drei Engel ein süßen Gesang
dass in dem hohen Himmel erklang
Sie sungen sie sungen Alles so wohl
den lieben Gott wir loben solln
Wir heben an wir loben Gott
wir rufen ihn an, es tut uns not
Er speis uns mit dem Himmelbrot
das Gott seinen zwölf Jüngern bot
Wohl über dem Tisch da Jesus saß
da er mit ihnen das Abendmahl aß
Judas der stund sich nah darbei
er wollt des Herren Verräter sein
Er verriet den Herrn bis in den Tod
dadurch der Herr das Leben verlor
Wohl an dem Kreuze da er stund
da er vergoss sein rosenfarbs Blut
Herr Jesu Christ wir suchen dich
am heiligen Kreuz da finden wir dich
Da stund der Herr ganz nacket und bloß
dass ihm das Blut sein Seiten ein floß
Die Seiten ward von Blut so rot
Maria Kind leidt große Not
Maria Gotts Mutter reine Magd
all unser Not sei dir geklagt
All unser Not und unser Pein
das wandel uns Maria Kindelein
Das wandel uns deins Kindes Zorn
daß unsre Seeln nicht werden verlorn
Gott behüt uns für der Höllen Pein
dass wir arme Sünder nicht kommen hinein
(Text und Musik: in: Alte Catholische Geistliche Kirchengesäng , Paderborn , 1609 ( Paderborner Gesangbuch ) – mit der Ueberschrift : Ein ander alt Gesang , auch in: Geistlicher Paradiesvogel (1663))

Um Mitternacht

Hab‘ ich gewacht
Und aufgeblickt zum Himmel;
Kein Stern vom Sterngewimmel
Hat mir gelacht
Um Mitternacht.
Um Mitternacht
Hab‘ ich gedacht
Hinaus in dunkle Schranken.
Es hat kein Lichtgedanken
Mir Trost gebracht
Um Mitternacht.
Um Mitternacht
Nahm ich in acht
Die Schlaege meines Herzens;
Ein einz’ger Puls des Schmerzes
War angefacht
Um Mitternacht.
Um Mitternacht
Kaempft‘ ich die Schlacht,
O Menschheit, deiner Leiden;
Nicht konnt‘ ich sie entscheiden
Mit meiner Macht
Um Mitternacht.
Um Mitternacht
Hab‘ ich die Macht
In deine Hand gegeben!
Herr! Ueber Tod und Leben
Du haelst die Wacht
Um Mitternacht!
(Friedrich Rückert)

Kaddisch

(dt. Übersetzung)
Erhoben und geheiligt werde sein großer Name auf der Welt, die nach seinem Willen von Ihm erschaffen wurde- sein Reich soll in eurem Leben in den eurigen Tagen und im Leben des ganzen Hauses Israel schnell und in nächster Zeit erstehen. Und wir sprechen: Amen! Sein großer Name sei gepriesen in Ewigkeit und Ewigkeit der Ewigkeiten. Gepriesen sei und gerühmt, verherrlicht, erhoben, erhöht, gefeiert, hocherhoben und gepriesen sei Name des Heiligen, gelobt sei er, hoch über jedem Lob und Gesang, Verherrlichung und Trostverheißung, die je in der Welt gesprochen wurde, sprechet Amen! Fülle des Friedens und Leben möge vom Himmel herab uns und ganz Israel zuteil werden, sprechet Amen. Der Frieden stiftet in seinen Himmelshöhen, stifte Frieden unter uns und ganz Israel, sprechet Amen.

L’enigme eternelle

Frägt die Velt die alte Kashe, Tra la la la … Entfernt men, Tra la la la …
Un as men will kenne sagen, Tra la la la … Frägt die Velt die alte Kashe, Tra la la la …
(jiddisch)