Texte

Konzert am 29. Oktober 2016

Wenn mein Stündlein vorhanden ist

Nikolaus Herman 1562

  1. Wenn mein Stündlein vorhanden ist
    Und soll hinfahr’n mein‘ Straße,
    So g’leit‘ du mich, Herr Jesu Christ,
    Mit Hilf‘ mich nicht verlaße!
    Mein‘ Seel‘ an meinem letzten End‘
    Befehl‘ ich dir in deine Händ‘,
    Du woll’st sie mir bewahren!
  2. Mein‘ Sünd‘ mich werden kränken sehr,
    Mein G’wissen wird mich nagen,
    Denn ihr’r sind viel wie Sand am Meer;
    Doch will ich nicht verzagen.
    Gedenken will ich an dein’n Tod,
    Herr Jesu, und dein‘ Wunden rot,
    Die werden mich erhalten.
  3. Ich bin ein Glied an deinem Leib,
    Des tröst‘ ich mich von Herzen.
    Von dir ich ungeschieden bleib‘
    In Todesnot und Schmerzen.
    Wenn ich gleich sterb‘, so sterb‘ ich dir,
    Ein ew’ges Leben hast du mir
    Mit deinem Tod erworben.
  4. Weil du vom Tod erstanden bist,
    Werd‘ ich im Grab nicht bleiben;
    Mein höchster Trost dein‘ Auffahrt ist,
    Todsfurcht kann sie vertreiben;
    Denn wo du bist, da komm‘ ich hin,
    Daß ich stets bei dir leb‘ und bin,
    Drum fahr‘ ich hin mit Freuden.

Konzert am 12. Dezember 2015


Adventrede

Jesse Thoor
Und die Bewegtheit des Herrn ist ohne Groll und von großer Dauer.
Und seine Gerechtigkeit hört nicht auf, und seine Güte bleibt ewig.
Und darum entfernen wir gern die Bitterkeit, wie ein enges Gewand.
Und die Trauer legen wir ab, wie einen Mantel in Frühling.

Und mit viel Sorgfalt nehmen wir die Einsamkeit von unserer Stirn.
Und wir weisen unsere Aufmerksamkeit hin zu den einfachen Dingen.
Und wir verlassen uns auf das Dach, das keinen Regen durchlässt.
Und wir vertrauen dem Stuhl, der fest steht, und der uns trägt.

Und es kommen wieder zu uns die täglichen Wiesen und die Sonntage.
Und die Salamander mit den seidenen Strümpfen und goldenen Hemden.
Und auch die Lämmer und die Zicklein … meine gnädigen Freunde.

Und die Lieder der Hirten … und die Gebete der erwachenden Frauen.
Und es brechen die Tore auf … und es treten hervor die Erkennbaren.
Und sie stehen makellos da … und sie breiten ihre Flügel aus.