Programmerläuterungen

Konzert am 21. Oktober 2017

Die Programmauswahl  nimmt Bezug auf die Disposition der Schuke – Orgel in der Ev.-Luth. Pfarrkirche St. Marien in Marburg, III/P mit 56 Registern, erbaut von der Berliner Orgelbauwerkstatt GmbH Prof. Karl Schuke von 1968 / 1969.

Renoviert 2015 durch Freiburger Orgelbau Späth.

In Verbindung mit dem Reformationsjubiläum, soll dieses Konzert einen Bezug zur Reformation haben.

Es erklingt Orgelmusik über Lieder von Martin Luther mit Werken von Johann Sebastian Bach, Dieterich Buxtehude, Georg Böhm und Lothar Knepper. „Auf dem Weg“ von Advent-Weihnachten-Passion-Ostern sind für den Weg durch das Kirchenjahr typische Choräle gewählt.

Der Gang wird eingerahmt durch Praeludium h-Moll, BWV 544

und der Fantasia g-Moll, BWV 542 von Johann Sebastian Bach.

Bach, Buxtehude und Böhm kannten sich persönlich.

Neben der künstlerischen Verwandtschaft gibt es auch die persönliche. Bach hat Böhm sehr geschätzt; im „Notenbüchlein“ der Anna Magdalena Bach ( 1725 ), in dem besonders geliebte Stücke Aufnahme fanden, ist auch ein Menuett von Georg Böhm vertreten.

Die Choralbearbeitung von Georg Böhm  „Vater unser im Himmelreich“ hat auf Bach einen großen Einfluss gehabt. Bach schätzte die überaus kunstvollen Bearbeitungen Böhms wegen ihrer ausdrucksvollen, durch Verzierungen geschmückten Kompositionsart, die in Böhms späten Jahren in seiner Lüneburger Zeit entstanden sind.

Choralbearbeitungen für Orgel sind für den gottesdienstlichen Gebrauch bestimmt und aus der Organistenpraxis heraus entstanden. Sie gehören zum liturgischen Bestand der Kirchenmusik.

Oft geraten die kunstvollen und inhaltsreichen Choralvorspiele von Komponisten aus unterschiedlichen Stilepochen in Vergessenheit, da aus den verschiedensten Gründen viele Choräle nicht mehr oder immer seltener in manchen Gottesdiensten gesungen werden.

Darum ist es  ein Anliegen auch dieses Programms, erstens wegen des vorgegebenen Themas und zweitens grundsätzlich Choralvorspiele in den Programmablauf einzubeziehen, um einen Beitrag zu leisten zur Verbreitung und Erhaltung dieser wunderbaren Musik.

Die Komposition von Lothar Knepper, hat der Komponist dem Organisten Gotthard Gerber gewidmet. Das Tryptichon „ist für eine zyklische Aufführung gedacht. Jedoch lässt die geschlossene Form eines jeden Satzes auch zu, sie einzeln vorzutragen. Intendiert ist ein reich registrierter, farbiger Orgelklang der die dynamische Bandbreite vom zarten pp biszum mächtigen ff verlangt.“

Am Anfang des Programms steht das große Praeludium h – Moll, BWV 544 von Johann Sebastian Bach.

Das Werk gehört zu den letzten großen Praeludien und Fugen der Leipziger Zeit. Diese Werke sind im Prinzip  den Brandenburgischen Konzerten verpflichtet, in denen sich Tutti  und Soli abwechseln.

Bach hat dieses Werk in besonderer Weise kalligraphisch in Reinschrift gebracht; eine der schönsten Musikhandschriften, die es gibt.

Abschluss des Programms ist die große Fantasie in g-Moll, BWV 542, in der Bach die Grenzen der harmonischen Vorstellungen seiner Zeit überschreitet. Zwischen den fantasievollen Abschnitten, die an Reger und Mendelssohn erinnern und voller Romantik stecken, stehen zwei Fugati, die ihrerseits Ruhepausen inmitten der harmonischen Vielfalt darstellen.

G.G.

Konzert am 1. Juli 2017

Stunde der Orgel mit dem MePHisto-Quartett

Am kommenden Samstag um 18 Uhr spielt in der Lutherischen Pfarrkirche Marburg das MePHisto-Quartett. Die vier Hobby-Musiker knüpfen an die alte Tradition der Streichquartett-Hausmusik an, der sich vor allem Ärzte, Apotheker und Lehrer gewidmet haben. Im MePHisto-Quartett musizieren – daher der Name – eine Ärztin, eine Geschichtslehrerin, ein Arzt und ein Apotheker (Pharmaziehistoriker).

Die Gründer des Quartettes, der Cellist und der 1. Geiger, lernten sich durch einen Marburger Romanistik-Professor kennen, dem beide ihr Leid geklagt hatten, nach vielen Jahren Streichquartettspiel in ihren früheren Wirkungsstätten nun in Marburg keine Mitspieler zu haben. Am 4. Dezember 2003 fand die erste Probe im Institut für Geschichte der Pharmazie im Roten Graben 10 statt. Seitdem – inzwischen gab es lediglich bei den mittleren Stimmen (2. Violine und Viola) personelle Wechsel – treffen sich die Freunde des Streichquartettspiels fast wöchentlich zum gemeinsamen Musizieren.

Das Konzert bietet mit einem Quartett von Georg Philipp Telemann (1681–1767) – dem ersten Werk, das explizit für diese Besetzung komponiert wurde –, einem bekannten Streichquartett von Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) (Jagdquartett. KV 458) und einem Spätwerk von Joseph Haydn (1732–1809) („Komplimentierquartett“, Op 77, Nr. 1) einen Einblick in das Repertoire des Liebhaberquartetts.